Aktuelle Ausgabe

Editorial

2/2019

Liebe Leserin, lieber Leser,

laut Kraftfahrt-Bundesamt waren Anfang 2019 mehr als 47 Millionen PKW in Deutschland zugelassen. Pro Fahrt sitzen statistisch betrachtet nur 1,4 Personen im Auto. Ansonsten steht jeder PKW 23 Stunden am Tag auf einem ca. 12 m2 großen Stellplatz, meistens im öffentlichen innerstädtischen Raum. Eine höchst ineffiziente Flächennutzung zulasten aller anderen Verkehrsteilnehmer.

Selbst wenn Parkgebühren erhoben werden, decken diese die Herstellungs- und Betriebskosten der Stellplätze nicht. Die Kommunen legen einfach den Fehlbetrag auf die Allgemeinheit um. Wer kein Auto hat, zahlt also mit, wird jedoch gnadenlos in den Randbereich des Verkehrsraums abgedrängt.
Damit nicht genug: Wer kein Auto nutzt, ist Verkehrsteilnehmer zweiter Klasse auf häufig unter Duldung der Ordnungsämter zugeparkten Fuß- und Radwegen. Zudem ist der motorisierte Individualverkehr (MIV) durch Lärm und Abgase ein erwiesener, vielfältiger und dreister Krankmacher. Noch erschreckender ist die tödliche Spur, die der MIV hinterlässt: 2018 sind in Deutschland 445 Radfahrer und 458 Fußgänger in Unfällen ums Leben gekommen, wovon die meisten von Kraftfahrzeugführern verursacht worden sind. Die vielen Ghost-Bikes in Darmstadt und Umgebung (Seite 21) sind traurige Mahnmale dieser tragischen Schicksale.

Gegen diese Verkehrspolitik begehren immer mehr Menschen auf. Zum Beispiel bei der IAA-Sternfahrt und -Demo (Titelbild), dem Klimastreik (Seite 20) und beim PARK(ing)-DAY (Seite 22).

Langsam spürt die Politik den Druck. Darüber haben wir uns mit Darmstadts grünem Oberbürgermeister, Jochen Partsch (Seite 6) unterhalten. Und auch darüber, was Radfahrer beim Fahrradklima-Test (Seite 10) von der Politik einfordern: Mehr Sicherheit auf schnellen, breiten, gut vernetzten und durchgängigen Radwegen. In diesem Zusammenhang betrachten wir aus Radfahrersicht die Ampelsteuerung in Darmstadt (Seite 8) und lassen uns von traumhaften Erlebnissen aus Kopenhagen inspirieren (Seite 9).

Mehr Sicherheit braucht man vor allem auf dem Schulweg, wo unsere Kinder eigentlich ihre Selbstständigkeit früh erlernen sollten. Zudem sind Schulen gesetzlich mit Verkehrserziehung beauftragt. Jedoch scheitert all das im Alltag oft an zu vielen Elterntaxis. Das haben ein paar Schulen in Darmstadt und im Landkreis erkannt, die nun aktiv dagegen handeln (Seite 14). Voraussetzung für den Erfolg ist der gemeinsame Wille aller Beteiligten. Dieser Wille fehlt leider noch vielerorts, wie uns das Beispiel des Schuldorfs Bergstraße in Seeheim-Jugenheim zeigt (Seite 16).

Leben ist jedoch nicht nur politischer Streit. Wir stellen ein junges Startup-Unternehmen vor, das in Weiterstadt innovative Lastenräder baut (Seite 12). Und Radtouristen erzählen von ihren wunderschönen Radtouren (ab Seite 17).

Zum Schluss in eigener Sache:
Wer sich in die aktive Arbeit des ADFC einbringt, stärkt die Radfahrer-Lobby, Faktor Spaß inklusive (ab Seite 3).

Übrigens: Die Jahresmitgliederversammlung des ADFC Darmstadt Dieburg (Seite 11) ist die Gelegenheit, uns zu treffen und sich mit uns auszutauschen. Kommt zahlreich!
Xavier Marc

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PS: Wir haben in dieser Ausgabe das Layout aufgefrischt. Wir hoffen, es gefällt Ihnen. Anregungen und Kommentare nehmen wir gerne per email entgegen.


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