Aktuelle Ausgabe

Editorial

Es reicht!

Das denken sich wohl viele Radfahrerinnen und Radfahrer in Darmstadt. Sie haben den jahrelangen Eiertanz um die Schaffung und häufig auch Vernichtung von Radinfrastruktur hautnah mit erlebt. Eine "Veloruciòn", also eine "Revolution des Fahrrades", wie in Marinaleda in der Provinz Sevilla in Spanien auf einer Hauswand in Anlehnung an den Kampfspruch der Kubaner gefordert, muss aber nicht sein.

Der "Radentscheid Darmstadt"

Eine Gruppe aktiver Darmstädterinnen und Darmstädter will das demokratische Mittel eines Bürgerbegehrens nutzen, um die Verantwortlichen zum Handeln zu zwingen. Der "Radentscheid Darmstadt" hat seit Anfang des Jahres fleißig Unterschriften dafür gesammelt. Es sind weitaus mehr zusammengekommen als notwendig. Mit einem der Gründer der Initiative haben wir gesprochen (S. 5).

"Lasst uns endlich anfangen!"

Dass dieses Bürgerbegehren nötig zu sein scheint, ist ein Armutszeugnis. "Man muss endlich anfangen!" sagt Prof. Follmann, ein Verkehrswissenschaftler der Hochschule Darmstadt, der jahrelang über innerstädtischen Verkehr geforscht hat und Kommunen bei der Verkehrswende berät. In einem Interview hat er uns erklärt, was notwendig wäre (S. 3). Ein Anfang scheint ein aktueller Verkehrsversuch in der Rheinstraße in Darmstadt zu sein (S. 18). Dort soll erprobt werden, wie zugunsten des Radverkehrs der motorisierte Verkehr aus einem kleinen Teil der Rheinstraße verdrängt werden kann.

Konzepte für die Verkehrswende?

Im Landkreis Darmstadt-Dieburg wird dagegen fleißig an Konzepten gearbeitet. Ob diese dann aber auch konkrete Folgen für den Radverkehr haben, wird man sehen (S. 6). Zwischenzeitlich nehmen engagierte Privatleute die Verkehrswende selbst in die Hand (S. 12), auch im Umland (S. 8).

Ein Konzept für den regionalen Pendlerverkehr sind die zur Zeit heiß diskutierten sogenannten Radschnellwege. Dass ein langer Planungsprozess nicht durchgängig gute Ergebnisse bringen muss, zeigt der Bericht über die Planung des Radschnellweges zwischen Frankfurt und Darmstadt (S. 7).

Gesucht: gute Radinfrastruktur!

Zu einer guten Radinfrastruktur gehören auch die Sicherheit vor Diebstahl (S. 8) und die Integration des Radverkehrs in den öffentlichen Nahverkehr. Während man gegen den Diebstahl mit der Codierung des Rades (S. 16) selbst etwas unternehmen kann, ist man beim ÖPNV auf die Verkehrsunternehmen angewiesen. Doch speziell die Deutsche Bahn hat so ihre Schwierigkeiten (S. 10).

Letztes Jahr hat es zwei tödliche Unfälle mit Radfahrern in Darmstadt gegeben (S. 14). Das zeigt die Dringlichkeit der Maßnahmen für eine sichere Radinfrastruktur. Wir "Überlebende" wollen uns aber nicht durch die Gefahren verängstigen lassen und planen schon die nächsten Touren (S. 13), auch im Winter (S. 15).

VCD liefert eigene Beiträge

Vielleicht ist es Ihnen aufgefallen: Der Titel sieht etwas anders aus als bei der letzen Ausgabe. Der ADFC Bergstraße hat die Zusammenarbeit am Heft mit uns beendet, um eine eigene Publikation herauszubringen. Dafür haben wir mit dem VCD Darmstadt-Dieburg vereinbart, dass der VCD eine Plattform für eigene Gastbeiträge in unserem Heft erhält.

In diesem Heft zeigt der Verein mit seinem neuen Vorstand (S. 21), wie das Rad den Lieferverkehr verändern könnte (S. 21), damit nicht zuletzt das Falschparken durch Lieferfahrzeuge etwas reduziert wird. Noch wichtiger ist aber eine gute Parkraumpolitik der Stadt, die die verfügbaren Ressourcen gerecht verteilt (S. 20), nicht nur an den Lieferverkehr.
Ich wünsche Ihnen einen sicheren und schönen Radelsommer.

Burkhard Walger


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