Aktuelle Ausgabe

Editorial

2/2020

Liebe Leserinnen und Leser,

das C-Wort kann man schon fast nicht mehr hören, aber die kleine biestige Ansammlung von Proteinen wird uns nicht so schnell verlassen. Auch die Arbeit des ADFC Darmstadt-Dieburg ist von den Auswirkungen ihres Besuchs betroffen. So fielen rei‐henweise Fahrradtouren aus und können auch aktuell nur sehr eingeschränkt stattfinden. Die Fahrradcodierung jedoch ist fast ein Krisengewinner, mehr dazu auf Seite 14.

Die Probleme des Radverkehrs bestehen jedoch weiter. Bei der öffentlichen Diskussion um das "Missgeschick" des Bundesverkehrsministeriums bei der Verabschiedung der neuen StVO wurde übersehen, dass die bisherige Rechtsprechung den Überholabstand zu Fahrrädern betreffend jetzt Gesetz wird. Auf Seite 3 schreibt Klaus Görgen über eine öffentliche Kampagne des ADFC Darmstadt-Dieburg, mit der das bekannter gemacht werden soll.

Dass die schweren KfZ nicht nur Radfahrende bedrohen, sondern auch historisches Mosaikpflaster, kann man in dem VCD- Beitrag auf Seite 20 lesen. Parkraumkontrolle dient halt manchmal auch dem Denkmalschutz.

Wenn Covid-19 eine Folge für den Radverkehr hat, dann dessen deutliche Zunahme in der Stadt. Wegen der Ansteckungsgefahr sind viele Leute auf das Fahrrad umgestiegen. Die Zunahme des Radverkehrs hat die Stadt Darmstadt zum Anlass genommen, massiv sogenannte Popup-Radwege zu errichten, wie der VCD auf Seite 21 berichtet.

Aber nicht nur "provisorische" Radinfrastruktur ist in den letzten Monaten entstanden, sondern auch einige dauerhafte Radverkehrsanlagen, wie Annelie ab Seite 4 berichtet. Der Flickenteppich der Radwege wird uns jedoch sicher noch ein Weilchen erhalten bleiben.

Zunehmender Radverkehr stellt auch die Ordnungsbehörden vor neue Herausforderungen. So sind Fahrradstreifen sicherlich die beste Lösung, um den Radverkehr zu kontrollieren. Klaus hat eine Fahrradstreife in Darmstadt begleitet und berichtet darüber auf Seite 7.

Dass auch im Landkreis noch viel aufzuholen ist, zeigen die Artikel über Griesheim (Seite 8) und Weiterstadt (ab Seite 9). Es gibt dort mehr oder minder trivial zu lösende, aber ungelöste Probleme. Um dem abzuhelfen, müssen unsere Aktiven vor Ort noch eine Menge Arbeit investieren.

Auch in Hessen ist noch eine Menge Luft nach oben für die Verkehrswende. Sie zu beschleunigen soll ein Volksentscheid ermöglichen, wie Xavier auf Seite 18 berichtet.

Wegen der Beschränkungen der Covid-Pandemie sind Fahrradtouren eine gute Art, Urlaub zu machen. Vera berichtet über ihre Tour durch das idyllische Wiedtal auf Seite 12, von Brücke zu Brücke. Fortuna und Andreas haben das grüne Band an der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze auf über 1000km erkundet (Seite 13).

Aber auch bei den Radtouren gibt es einen Trend zum Minimalismus, "Bikepacking" genannt. Auf Seite 15 berichtet Dennis Wittmann über diese Methode des Gepäcktransports auf dem Fahrrad.

Die Elektrifizierung des Radverkehrs ist im vollen Gange, im Gegensatz zum Autoverkehr. Dazu hat sicherlich das Lastenrad massiv beigetragen, wie man in Darmstadt gut beobachten kann. Spötter nennen Darmstadt bekanntlich "cargo city". Über zwei Lastenradverleiher berichtet Helga auf Seite 6. Ich mache mir dann auf Seite 11 (nicht ganz ernst zunehmende) Gedanken über das Phänomen E-Bike alias Pedelec. Habe ich da und dort ins Schwarze getroffen?

Mit der höheren Geschwindigkeit und Masse der E-Bikes sind auch die Bremsen wichtiger geworden. Die aktuell beste Bremse ist, meiner Meinung nach, die Scheibenbremse, was ich auf Seite 16 zu begründen versuche. Ab Seite 17 berichten wir von der innovativen Liegeradmanufaktur HP-Velotechnik aus Kriftel und ihrer interessanten Entstehungsgeschichte. Selbstverständlich werden an deren Räder nur Scheibenbremsen verbaut.

Der ADFC ist wie viele Vereine auf der aktiven Ebene männerdominiert. Auch in unserem Vorstand sind "nur" zwei Frauen. Die Arbeit im ADFC braucht jedoch mehr Frauen, um andere Perspektiven zu bekommen und auch deren Belange besser vertreten zu können. Warum das noch nicht so ist und wie man das ändern könnte, beschreibt Helga auf Seite 19.

Für todkranke Kinder ist Covid-19 ein weiterer Dämon. Um diese Kinder kümmert sich der Kinderhospizverein seit 30 Jahren. Zum diesjährigen runden Jubiläum fand ein Fahrradkorso in Frankfurt statt, auf dem einige dieser Kinder etwas Schönes erleben konnten. Es war sozusagen eine "Bike-Night spezial".

Wir hoffen, dieses Heft ist interessant für Sie und bringt neue Erkenntnisse. Wenn ja, lassen Sie es uns wissen, wenn nein auch!

Bleiben oder werden Sie gesund wünscht,

Burkhard Walger


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